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Neue Aspekte zu Entstehung und Entwicklung der Planeten

Die Erde

Neues:
Von Urnebel bis Umweltschutz - Kapitel 3

Galaxie

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Paradiesträume und Verirrungen

Von der Venus-Station, die den Planeten umkreiste, fuhren die drei Forscher mit ihrer Landefähre in einer Spiralbahn auf die Oberfläche des Planeten zu. Die Radar-Ortung war ihre einzige Orientierung, denn dichte Wolken nahmen ihnen jede Sicht. Erst als der Höhenmesser nur noch knapp hundert Meter Höhe anzeigte, lichtete sich die Wolkenschicht, und sie erblickten unter sich im Dunst ein dichtes dunkelgrünes Blätterdach. Sie steuerten ihre Landefähre über den Bäumen hin, bis sich ihnen eine Lichtung zeigte, auf der sie sanft aufsetzen konnten. Jetzt erst kamen sie dazu, ihre Meßgeräte zu kontrollieren. Die Luftanalyse zeigte 65 Prozent Stickstoff und 33 Prozent Sauerstoff. Die restlichen zwei Prozent waren Argon und Kohlendioxid. Der Druck lag bei 1,5 bar. Eine wunderbare Atmosphäre, fast günstiger als auf der heimatlichen Erde. Hier konnten sie getrost die Luke öffnen und aussteigen. In der Ferne sahen sie jedoch Blitze aufleuchten. Ein Gewitter näherte sich offenbar. Heftige Donnerschläge begleiteten die grellen Blitze. Sie durften sich nicht zu weit von ihrer Landekapsel entfernen, doch die nächste Umgebung wollten sie unbedingt noch vor dem nahenden Gewitter erkunden.
Trotz der günstigen Luftanalyse behielten sie ihre Schutzanzüge an und hielten ihre Laser-Waffen bereit. Das verlangten in solchen Situationen die Sicherheitsvorschriften. Kaum hatten sie begonnen, einige moosartigen Pflanzen zu untersuchen, die auf dem Boden wuchsen, als sie vom Wald her ein markerschütterndes Brüllen vernahmen. Das hatte nichts mit dem nahenden Gewitter zu tun. Sie schraken furchtbar zusammen, denn schon tauchte auf der Lichtung ein Wesen auf, das sie an die Bilder erinnerte, auf denen Saurier dargestellt waren. Es mußte mindestens sieben bis acht Meter hoch sein und sperrte seinen riesigen Rachen weit auf. Mit Riesensprüngen näherte es sich den drei Eindringlingen. Diese hatten es in ihren schwerfälligen Schutzanzügen nicht leicht, die schützende Landekapsel rechtzeitig zu erreichen. Kaum hatten sie die Luke verschlossen, als das Ungeheuer schon heran war und heftig in eines der Landebeine aus Titanium und einem Spezialkunststoff biß. Sie mußten rasch handeln, sonst würde die Landekapsel so beschädigt sein, daß ihre Rückkehr gefährdet war. Schnell warfen sie ihren Generator an und schickten einige Stromstöße auf die Oberfläche ihrer Behausung. Das Ungeheuer zuckte heftig, griff aber wieder an. Erst beim dritten Stromstoß gab es auf und entfernte sich unter schrecklichem Brüllen zum Wald hin. In der Zwischenzeit war das Gewitter herangekommen. Es war ein einziges Blitzen und Donnern, wie sie es auf der Erde noch niemals erlebt hatten. Der Sturm schüttelte ihre Landekapsel heftig hin und her.
    ..........

So oder ähnlich beschrieben utopische Erzählungen und Science-fiction-Filme die Venus in der Zeit, da man nur optische Beobachtungsergebnisse von der Erde aus hatte. Für die relativ kurzwellige Infrarot-Strahlung, die schon auf eine hohe Temperatur deutete, wurden heftige Gewitter in der Venus-Atmosphäre verantwortlich gemacht. Man wollte sich unseren Nachbarplaneten als eine urzeitliche Erde vorstellen, in der Saurier lebten und es tropisch heiß war.

Die ersten Zweifel:
In den Sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts versuchte man endlich Genaueres zu erfahren. Der Wettbewerb zwischen den hochgerüsteten Systemen hatte sich glücklicherweise wenigstens zum Teil auf die Weltraumforschung verlagert, nachdem man begriffen hatte, daß die vorhandenen Kernwaffen ausreichen würden, die Menschheit nicht nur einmal, sondern mehrmals auszurotten. Ein weiteres Hochrüsten wäre somit ziemlich absurd gewesen.

Die Sowjetunion schickte nunmehr Venus-Sonden zu unserem Nachbarplaneten und die Vereinigten Staaten starteten einige Mariner. Schon von den Umlaufbahnen aus wurden interessante Messungen vorgenommen. Besonders aber die Landekapseln lieferten überraschende Ergebnisse. Durch Venus 4 und Mariner 5 (Oktober 1967) erfuhr man schon interessante Dinge. Die Landekapseln von Venus 5 und 6 (Mai 1969) registrierten eine sehr dichte Atmosphäre und hohe Temperatur. Venus 7 (Dezember 1970) schließlich mit einer optimierten Ausrüstung brachte die endgültige Bestätigung. Die Venus war kein urzeitliches Paradies, sondern eine Gluthölle. Die Temperatur betrug auf der Oberfläche ungefähr 450°C, eine Temperatur, bei der die Metalle Blei, Zinn und Zink schon geschmolzen wären. Der Druck auf der Oberfläche betrug ungefähr 90 Atmosphären, und diese gewaltige Gashülle bestand zu 97 % aus Kohlendioxid.
Die Überraschung und Enttäuschung war somit groß, denn nichts von dem traf zu, was romantische Utopien in die Venus hineininterpretiert hatten. Nicht die blühende Schöne war sie, sondern ein fast glühender Stein, eingehüllt in eine sehr sehr dicke Kohlendioxid-Hülle.

Doch der Chef des Venus-Unternehmens, der betagte Geochemiker Vinogradov hatte schnell eine Erklärung parat, die allenthalben verbreitet wurde. In der Monographie "Gluthölle Venus" beschreibt Bronschten das so: "Große Aufmerksamkeit fanden die Überlegungen des Akademiemitglieds A.P.Vinogradov hinsichtlich der Entwicklungswege der Venusatmosphäre. Da sich die Venus nahe der Sonne befindet und äußerst langsam rotiert, mußte sie auf über 50°C erwärmt werden. Bei einer solchen Temperatur fand eine starke Verdunstung statt. Der Wasserdampf erzeugte die Glashauswirkung, und dadurch steigerte sich die Temperatur noch mehr. Bei den wachsenden Temperaturen reagierten das Kalzium- und Magnesiumcarbonat der Planetenrinde mit den Silikaten. Dabei wurde Kohlendioxid an die Atmosphäre abgegeben, was den Glashauseffekt noch verstärkte. Die Selbsterhitzung setzte sich fort, und fast das gesamte Kohlendioxid der Rinde gelangte in die Atmosphäre. Unterdessen fand in der Ionosphäre des Planeten eine unaufhörliche Zersetzung des Wassers durch photochemische Reaktionen statt. Das führte zur Oxidation von Eisen, Mangan, Schwefel und anderen Stoffen der Planetenrinde. Der freigesetzte Wasserstoff bildete die Wasserstoffkorona, die der irdischen vergleichbar ist oder sie sogar übertrifft. Aber der Wasserstoff strömt ständig ab, er dissipiert. Das führt zur Austrocknung der Venusoberfläche, die man sich als heiße steinige Wüste vorstellen mag, die durch Eisenoxide rotgefärbt ist. Heftige Winde glätten die Unebenheiten des Geländes, wirbeln Staubwolken auf und tragen den Gesteinsschutt hinweg."

Was kann man dazu sagen? Die photolytische Zersetzung von Wasser ist bekannt. Dabei dürfte in der Atmosphäre Sauerstoff zurückbleiben, während der Wasserstoff entweicht. Hier ist allerdings bemerkenswert, daß Venus eine Wasserstoffkorona hat, obwohl offensichtlich seit ewigen Zeiten kein Wasser mehr vorhanden ist. Aber dazu später. Zunächst interessiert uns das Kohlendioxid. Richtig ist, daß Carbonate sich bei Temperaturen um 400° bis 500°C zersetzen und Kohlendioxid abspalten. Die Umsetzung von Kalziumcarbonat mit Siliziumdioxid zu Wollastonit, einem Kalziumsilicat, ist auf der Erde ebenfalls bekannt. Nur, woher kommen die Carbonate? Wir kennen solche Carbonate auf der Erde praktisch nur als Sedimentgesteine, d.h. sie wurden in Wasser abgelagert, meist sogar als Schalen von Lebewesen. Wer der Venus also Carbonate, typische Sedimentgesteine, unterjubelt, schließt darin Behauptungen ein, die weit schwerer zu erklären sind als die ungewöhnlich große CO2-Menge. Man wird mißtrauisch, wenn behauptet wird, daß sich solche Vorgänge auf einem Planeten abgespielt haben sollen, für dessen Hydrosphärengeschichte es keinerlei Anhaltspunkte gibt, der vielmehr so trocken ist, daß man es sich kaum anschaulich vorstellen kann, weil auf der Erde selbst die trockensten Wüsten weitaus feuchter sind als irgend etwas auf der Venus.
Was wußten wir über den Entwicklungsweg der Venus und wie unterschied sie sich von der Erde?
Angesichts der genannten Ungereimtheiten fühlte ich mich herausgefordert, über die Angelegenheit selbst nachzudenken. Ich war damit, noch ehe ich mich überhaupt mit der speziellen Materie ernsthaft beschäftigt hatte, auf eine verbreitete Unart vieler Wissenschaftler gestoßen, die darin besteht, Modelle, also Deutungen für ein begrenztes Gebiet aufzustellen, auf das sie sich scheinbar anwenden lassen, ohne ihre Verträglichkeit mit den Erkenntnissen auf anderen Gebieten bzw. ihre Konsequenz zu Ende gedacht zu haben. Es ist halt, um wieder auf jenes Beispiel zurückzukommen, als ob ein Restaurator, der ein zerstörtes Mosaik wiederherstellen soll, sich damit begnügt, einige Steinchen zu einem leidlichen Bild zusammenzufügen, ohne Rücksicht darauf, daß sich die anderen Steinchen, die auch zu dem Mosaik gehörten, dann nicht mehr unterbringen lassen. Oder, als ob ein Architekt das Baumaterial für einen Palast bereitstellen ließe, worauf der mit der Ausführung beauftragte Bauunternehmer oder Maurer aus einem Teil des Materials nur eine kleine Hütte nach eigenen Vorstellungen baute und das übrige Material einfach liegen ließe.

Hier lag also offensichtlich ein typischer Fall vor, wie leichtfertig Modelle und Hypothesen mitunter aufgestellt werden. Denn ein Modell, das der Wahrheit und nicht nur der Unterhaltung dienen soll, kann nicht zu anderen gesicherten Erkenntnissen im Widerspruch stehen.

Mit dem Wort Unterhaltung wollen wir überleitet zu Beispielen, mit denen sich das Verhältnis von Beobachtung, Erkenntnis und Wahrheit veranschaulichen läßt.

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